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Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht
J. Wagner/V. Heckmann (Hrsg.): Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht. Ein Praxisbuch für Lehrende in Schule und Hochschule. Verlag Werner Hülsbusch, Glückstadt, 2012. ISBN:978-3-86488-022-3
Web 2.0 und seine vielfältigen Anwendungen sind einem Teil der Lehrpersonen geläufig, bei anderen aber noch gar nicht angekommen. Und da Web-2.0-Dienste zwar Kommunikation und Kollaboration ermöglichen und Interaktionen unterstützen, aber nicht ursprünglich für Unterrichtszwecke konzipiert worden sind, ist es oftmals gar nicht so einfach, sie sinnvoll in den (Fremdsprachen)unterricht zu integrieren. Der Sammelband mit Good-Practice-Beispielen von Web-2.0-basierten Anwendungen für den Sprachunterricht kann Studierende und Lehrpersonen dabei unterstützen, indem er vielfältige Anregungen liefert.
Jürgen Wagner ist Lehrer für Französisch und Englisch sowie Referent für E-Learning und Mediendidaktik am Landesinstitut für Pädagogik und Medien in Saarbrücken. Verena Heckmann ist Lehrerin für Spanisch und Französisch und Referentin für IT im Bildungswesen am Ministerium für Bildung und Kultur im Saarland. Beide sind unter anderem bekannt durch ihre Blogs und durch Veröffentlichungen im Bereich Web 2.0, Podcasts und Moodle. Bei den Autorinnen und Autoren des Praxisbuches handelt es sich ebenfalls um Praktikerinnen und Praktiker, welche auf eine langjährige Unterrichtserfahrung zurückblicken und sich zum Teil ebenfalls als Edublogger und/oder Referent/-innen in der Lehrerfortbildung bereits einen Namen gemacht haben. Sie lieferten insgesamt 35 Beiträge, von denen einzelne auch in Französisch, Spanisch und Englisch verfasst sind.
Das Buch versteht sich als praxisorientierter Leitfaden für Web-2.0-Neulinge, liefert aber mit Sicherheit auch noch Anregungen für die „alten Hasen“, da es gerade in diesem Bereich ständig Innovationen gibt. Die Herausgeber sprechen von „nachkochbaren Rezepten“. Und auch wenn man bei Rezepten für den Unterricht vorsichtig sein muss, so bieten sämtliche Beiträge Anregungen, die man für den eigenen Gebrauch adaptieren kann. Inhaltlich sind die Praxisbeispiele äusserst vielfältig und decken einen grossen Teil der aktuellen Web-2.0-Werkzeuge ab. Dabei werden die Tools nicht nur theoretisch vorgestellt, sondern immer auch deren konkreter Nutzen aufgezeigt und erläutert, wie sie unterstützend zur Förderung der Grundkompetenzen eingesetzt werden können. Die Reihenfolge der Beiträge entstand durch die alphabetische Listung der Namen der Autoren. Eine zusätzliche Kategeorisierung nach Werkzeugen, Anwendungsbereichen oder Kompetenzen wäre noch hilfreich, gerade wenn man nach dem erstmaligen Lesen mit dem Buch weiterarbeiten möchte.
Naturgemäss legen viele Beiträge den Fokus auf Hörverständis- und Ausspracheübungen im Sprachunterricht oder die Schaffung lebensnaher und natürlicher Kommunikationssituationen. Und hier entfaltet Web 2.0 tatsächlich sein grosses Potential. Stellvertretend erwähnt seien hier die Beiträge von Elisabeth Buffard, die Audioboo und Twitter kombiniert, von Julia Neumann, die im Anfängerunterricht die Aussprache mit Audacity schult, von Laura Pihkala-Posti, die über den Einsatz einer Videokonferenz-Plattform in Kombination mit Web 2.0 berichtet, oder die Vorstellung von Real-life-Tasks im sozialen Web durch Christian Ollivier.
Das Thema Präsentation nimmt ebenfalls einen beträchtlichen Stellenwert ein und bietet eine Reihe von Alternativen abseits von Powerpoint und Co. Glogster (Paz Bartolomé Alonso), Pinterest (Jean-Charles Blondeau), Popplet (Verena Heckmann), Voicethread (Sonja Gabriel) und die kollaborative Erstellung eines Kursproduktes in einem digitalen Fotobuch (Jana Meissner) helfen beim Erstellen kreativer und multimedialer Produkte, dem Illustrieren von Vokabeln sowie Anlegen von Bildersammlungen und thematischen Alben für den Sprachunterricht, erlauben Kommentare und erweitern die übliche visuelle Präsentation um Sprechbeiträge und Videos.
Uwe Klemm wagt trotz datenschutzrechtlicher Bedenken einen Blick auf die Chancen von sozialen Netzwerken wie Facebook und google+ im Unterricht. Interessant sind auch die Anregungen von Thomas Strasser TodaysMeet zur Reflexion und Kollaboration im Fremdsprachenunterricht zu nutzen. Speziell hinweisen möchte ich noch auf den Beitrag zur Vorbereitung einer Klassenfahrt nach London von Ingrid Braband, der erläutert, wie Lernende selbst interaktive Übungen mit LearningApps erstellen. Dieses Werkzeug entstand an der PH Bern in Kooperation mit der Johannes Gutenberg Universität Mainz und der Hochschule Zittau/Görlitz.
Natürlich finden auch einige altbekannte Anwendungen wie Wikis, Blogs und Podcasting ihren durchaus berechtigten Platz im Buch. Speziell der Fokus auf erprobte Einsatzszenarien im Unterricht liefert dabei neue Anregungen für den Praxiseinsatz. Zwei Beiträge beschäftigen sich mit Moodle, welches zwar nicht direkt als Web-2.0-Anwendung zu verstehen ist, dennoch eröffnet sich damit ein Blick, wie mit Hilfe der Lernplattform das Hörverstehen trainiert, eigene Audiobeiträge produziert und veröffentlich werden, und insbesondere auf den Einsatz von Mobile Learning.
Lesenswert sind alle Beiträge, wenngleich an dieser Stelle natürlich nicht auf alle näher eingegangen werden kann. Hier hat der Leser noch einiges zu entdecken!
Nun ist Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht aber nicht nur ein Buch, es wird auch von einer Veranstaltungsreihe mit Online-Vorträgen (inkl. Aufzeichnungen) des Landesinstituts für Pädagogik Saarbrücken begleitet. Dabei stellen die Autoren ihre Praxisbeispiele vor und es besteht die Möglichkeit, darüber zu diskutieren und Ideen auszutauschen.
Während diese ergänzenden Webinare als absoluter Mehrwert zu sehen sind, ist die Präsentation der Inhalte in Form eines gedruckten Buches zu dieser Thematik wenig zielführend. Ein paar wenige Illustrationen, genauer gesagt Screen Shots in Schwarz-Weiss, reichen nicht aus um in das Thema wirklich einzutauchen. Hier möchte man doch gleich den Link zum Tool aufrufen oder die in der Praxis entstandenen Produkte begutachten. Dazu müsste das Buch auch als eBook verfügbar sein, alternativ sollte es zumindest ergänzende Online-Linklisten geben, damit man die im Buch veröffentlichten URLs nicht per Hand eintippen muss. Immerhin löst Ulrike Montgomery das Problem in ihrem Beitrag Moodle2go - Web 2.0 - mobiles Lernen mit einem QR-Code für ihre Linksammlung.
Nichtsdestotrotz ist dieses Buch allen Fremdsprachenlehrern, Dozierenden und Studierenden in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung wärmstens zu empfehlen. Es wäre schön, wenn einzelne Anregungen daraus auch in der Ausbildung der PH Luzern ihren Platz finden würden und Lehrpersonen mit dem Buch Mut gemacht wird, einige der vorgestellten oder ähnliche Szenarien einfach einmal auszuprobieren.
Content Curation
Content Curation ist ein relativ neuer Begriff, wenngleich Kuratieren seit jeher zu den journalistischen Tätigkeiten gehört. Kuratieren (lat. curare = sorgen für, sich kümmern um) bekommt mit der zunehmenden Informationsflut im Internet eine neue Bedeutung.
Was ist Content Curation aber nun genau? In Anlehnung an das lateinische Verb bedeutet es etwa so viel wie Inhalte zu filtern, zu verwalten, zu organisieren sowie zu betreuen und ihnen damit eine andere oder neue Bedeutung zu geben.
Beth Kanter vergleicht in ihrem Blog (http://www.bethkanter.org/content-curation-101/) die Aufgabe eines Content Curators mit jener eines Kurators im Museum, der eine Ausstellung vorbereitet. Am Beginn wird entschieden, was das Thema der Ausstellung sein soll, dann wird nach Inhalten, also Exponaten, gesucht und festgelegt, wie diese präsentiert werden, wo sie platziert werden und auch wie sie beschriftet werden.
Somit ist analog dazu Content Curation ein Prozess, bei dem das Internet inklusive verschiedener Social-Media-Angebote nach relevanten Inhalten durchstöbert wird, diese organisiert und in einen Zusammenhang gebracht werden. Dabei ist Content Curation aber mehr als ein reines Sammeln und eine durchaus anspruchsvolle Tätigkeit, die seriös ausgeführt, auch einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Schliesslich gilt es auch sein Netzwerk zu pflegen und die Kommunikation (Kommentare und Diskussionen) aufrecht zu erhalten.
Gemäss Robin Good (http://www.mindomo.com/de/mindmap/content-curation-for-education-and-learning-robin-good-emerge2012-98ccaad217074a07b9bff8b76effab8e) ist Content Curation nicht das Gleiche wie das Teilen, Retweeten oder Liken eines Inhalts. Es geht nämlich nicht nur darum, was man selber mag oder interessant findet, sondern darum ein bestimmtes Thema für eine bestimmte Personengruppe aufzubereiten.
Des Weiteren führt Good zehn Gründe an, warum Content Curation für den Bildungsbereich von Bedeutung ist:
- Die Fülle von Informationen muss organisiert werden, Content Curation erleichtert die Informationssuche.
- Zahlreiche Open Educational Ressources und Open Content generell bieten neue Nutzungsmöglichkeiten.
- Informationen sind heute nicht mehr statisch, sondern verändern sich laufend.
- Die Ergebnisse der Google-Suche werden für viele zunehmend uninteressant, weil sie oftmals qualitativ nicht den Wünschen entsprechen.
- Der Arbeitsmarkt hat sich stark verändert, Firmen messen Fertigkeiten und Erfahrungen mehr Wert bei als Zeugnissen und Diplomen.
- Alternative Beurteilungsformen gewinnen an Bedeutung.
- Lehrpersonen und Dozierende können so ihre eigenen Skripte und Lehrbücher kuratieren.
- Aufgrund der einfachen Handhabung und der vorhandenen Möglichkeiten kann man heute Kurse und Materialien ganz einfach im Internet zur Verfügung stellen.
- Der Bedarf nach innovativen zeitunabhängigen Lernmöglichkeiten ausserhalb der Schulzimmer und Seminarräume steigt.
Wer in Kursen auf einer Lernplattform arbeitet, macht im Grunde genommen auch nichts anderes als Inhalte für die Teilnehmenden zusammenzustellen. Innerhalb von Moodle kann Content Curation z.B. mit Hilfe von Foren, Wikis oder Glossaren umgesetzt werden. Letztendlich bleiben die Inhalte aber weitgehend in einem abgeschlossenen Raum. Wer eine breitere Öffentlichkeit erreichen möchte, kann auf eine Vielzahl anderer Tools zurückgreifen. Mit Hilfe des Embed-Codes könnten auf diese Art entstandene Produkte wiederum in den Moodle-Kurs eingebunden werden.
Möchte man selber mit Content Curation beginnen und vielleicht auch Schüler oder Studierende in diese Arbeit einführen, empfiehlt es sich zuerst einmal gute Kuratoren zu beobachten und von ihnen zu lernen. Schliesslich trägt auch die Wahl des richtigen Curation Tools zum Erfolg bei.
Zurzeit populäre Tools für spezifische Verwendungszwecke sind:
Webseiten oder Links: LiveBinders, diigo
Neuigkeiten, Geschichten und Social Media Timlines: scoop.it, storify, tumblr
Videos: YouTube
Mindmaps: Midomo, mindmeister, pearltrees
Timelines: dipity
Bilder: pinterest
Corinne Weissgerber (http://www.elearningcouncil.com/content/content-curation-best-practices) beschreibt den Ablauf beim Kuratieren in acht Schritten.
- Finden eines geeigneten Themas
- Sammeln und Auswählen der Inhalte
- Inhalt kontextualisieren und eine eigene Meinung vertreten
- Anordnen der Inhalte
- Entscheid für ein auf Inhalt und Zielgruppe abgestimmtes Tool
- Teilen
- Austausch anregen
- Verfolgen der Diskussion
Das Eduweb kuratiert das Thema Technology Enhanced Learning in Teacher Education auf scoop.it und stell darin Beiträge zur ICT-Nutzung, zu Medienbildung und -didaktik zur Verfügung, die sowohl für Dozierende als auch Studierende und Lehrpersonen interessant sein können.
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